{"id":592,"date":"2016-08-01T23:46:26","date_gmt":"2016-08-01T23:46:26","guid":{"rendered":"http:\/\/igt-ag.ch\/?page_id=592"},"modified":"2016-08-02T15:09:00","modified_gmt":"2016-08-02T15:09:00","slug":"gewinner-nachzuchtpreis-2016","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/igt-ag.ch\/?page_id=592","title":{"rendered":"Gewinner Nachzuchtpreis 2016"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gewinner<br \/>\nHans Peter Schaffner, Menziken stellvertretend f\u00fcr den Verein SwissEmys<br \/>\nF\u00fcr die Nachzucht von <em>Emys orbicularis orbicularis<\/em> Haplotyp IIa<\/strong><\/p>\n<p>Die europ\u00e4ische Sumpfschildkr\u00f6te galt in der Schweiz lange Zeit als ausgestorben. Erst anhand von genetischen Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass nebst zahlreichen leider ausgewilderten Exemplaren auch noch vereinzelt Tiere des Haplotyps IIa in der Schweiz leben. Dieser Typ gilt als urspr\u00fcnglich in Mitteleuropa heimisch. Aufgrund dieser Erkenntnis wurde der Status der europ\u00e4ischen Sumpfschildkr\u00f6te in der roten Liste von \u201eausgestorben\u201c auf \u201evom Aussterben bedroht\u201c ge\u00e4ndert.<br \/>\nHans Peter Schaffner z\u00fcchtet gezielt diesen Haplotyp und hat auch Freilandversuche unternommen um zu belegen, dass die Tiere in der Schweiz in freier Wildbahn nicht nur \u00dcberlebens- sondern auch Fortpflanzungsf\u00e4hig sind. Seine Nachzuchten werden im Rahmen kantonaler Projekte zur Wideransiedlung eingesetzt und gelangen nicht auf den Terraristikmarkt.<br \/>\nDer Entscheid der Jury basiert auf der Tatsache, dass sich das Zuchtprojekt von SwissEmys ausschliesslich der Erhaltung einer in unserem Land vom Aussterben bedrohten Reptilien Art widmet und dies ohne kommerziellen Hintergrund. Vor allem aber ist es ein sehr sch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr, dass Terraristik, Forschung und Naturschutz eine konstruktive Einheit bilden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/igt-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/HPS.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-520\" src=\"https:\/\/igt-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/HPS.jpg\" alt=\"045_IMGP1359\" width=\"800\" height=\"530\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Zuchtbericht SwissEmys<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Seit dem Jahre 2001 widmen sich Hans Peter Schaffner, Ruth Huber und Markus Kutzli systematisch der Erforschung und Nachzucht von <em>Emys orbicularis<\/em>, zuerst als Einzelpersonen, ab 2012 im Verein SwissEmys. Ziel war von Anfang an die Vermehrung von genetisch getesteten Tieren der einheimischen Unterart und dies ausschliesslich f\u00fcr offizielle Auswilderungsprojekte. Dies in Zusammenarbeit mit der karch (Koordinationsstelle f\u00fcr Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz).<\/p>\n<p>In den 90er Jahren wurde von den massgeblichen Stellen in den Universit\u00e4ten und im Naturschutz noch \u00fcberwiegend bezweifelt, dass Emys orbicularis sich in der Schweiz wirklich regelm\u00e4ssig und nachhaltig fortpflanzen kann. Erst unsere Brutversuche im Freiland, die sich \u00fcber mehrere Jahre erstreckten sowie die Erkenntnisse der Biologiestudenten  Florence Nuoffer und Denis Mosimann, die sie an einer \u00fcberraschend gut gedeihenden Population von Europ\u00e4ischen Sumpfschildkr\u00f6ten im Kanton Genf gewannen, f\u00fchrten zu einem Umdenken und schliesslich im Jahre 2005 zur Anpassung der \u00abRoten Liste\u00bb. Darin wurde Emys orbicularis nun als \u00abvom Aussterben bedroht\u00bb und nicht mehr als \u00abausgestorben\u00bb aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Anfangs hatten wir von SwissEmys nur die Jungtiere aus den Brutversuchen. Als dann einige Jahre sp\u00e4ter das erste offizielle Auswilderungsprojekt im Kanton Genf bewilligt wurde, verf\u00fcgten wir schon \u00fcber einen Grundstock an Sumpfschildkr\u00f6ten verschiedener Altersstufen. Jetzt wurde die Zucht intensiviert. Bei der Erbr\u00fctung der Eier wurde ein Brutkonzept mit schwankenden Temperaturen entwickelt, um den Gegebenheiten in der Natur nahe zu kommen. Versuchsweise wurden auch die Temperaturen, die im Boden einer schweizerischen Endmor\u00e4ne gemessen worden waren und die bei zahlreichen Emys-Eiern zu erfolgreichem Naturschlupf gef\u00fchrt hatten, als Modell f\u00fcr die elektronische Steuerung eines Brutapparates benutzt. Die Ergebnisse waren interessant. Es deutet einiges darauf hin, dass die so erbr\u00fcteten Jungen schneller wachsen und robuster sind als solche, die mit konstanter Temperatur\/einmaliger Nachtabsenkung erbr\u00fctet wurden. Die Anzahl so gewonnener Schl\u00fcpflinge l\u00e4sst aber noch keinen gesicherten Schluss zu.<\/p>\n<p>Wir setzten immer auf ein m\u00f6glichst nat\u00fcrliches Aufwachsen der Schl\u00fcpflinge. Nur im ersten Jahr nach dem Schlupf lebten sie in Kunststoffwannen mit k\u00fcnstlicher Beleuchtung (HQI Strahler). Schon den ersten Winter verbrachten alle in einer dreimonatigen Ruhephase im K\u00fchlschrank bei 4\u00b0C. Im Sommer kamen sie ins Freie, in kleine, vollst\u00e4ndig mit Wasserpflanzen besetzte, eingez\u00e4unte Teiche (Hornkraut, Wasserpest, Seekanne etc.). Nach unserer Erfahrung sind die Bedingungen in Freilandteichen mit starkem Pflanzenbewuchs, der grossen Auswahl an Zooplankton und dem direkten Sonnenlicht unter kontrollierten Bedingungen kaum zu kopieren. Trotz gelegentlicher Verluste durch nat\u00fcrliche Pr\u00e4datoren wuchsen die Jungtiere in den Teichen wesentlich besser und schneller als in Wannen. Zugef\u00fcttert wird mit selbst hergestelltem Schildkr\u00f6tenpudding, Frostfutter (Artemia, weisse M\u00fcckenlarven), Pellets und Fisch.<\/p>\n<p>Das Thema der n\u00e4chsten Jahre f\u00fcr SwissEmys war also Teichbau. Mehrere grosse Teichanlagen entstanden, zuerst in Menziken und Gempen. Ein grosser ehemaliger Fischteich im Baselbiet wurde f\u00fcr Emys orbicularis umgebaut, in der Sonnhalde Gempen entstand beim neuen Schulhaus eine grossz\u00fcgige Teichanlage und die letzte wird in diesem Jahr durch unser neues Mitglied Roger Dietsche in der Ostschweiz realisiert. In diesen Teichen wuchsen \u00fcber die Jahre zahlreiche Europ\u00e4ische Sumpfschildkr\u00f6ten heran. Bis jetzt stammen alle in den kantonalen Projekten von Genf und Neuch\u00e2tel (4-5j\u00e4hrig) ausgewilderten Tiere aus unserer Zucht.<\/p>\n<p>Alle Mitglieder von SwissEmys arbeiten ehrenamtlich und bezahlten die meisten Ausgaben selber. Der Bau der ben\u00f6tigten Aufzuchtteiche und Infrastrukturen ist aber sehr teuer.<br \/>\nZum Gl\u00fcck gelang es SwissEmys, namhafte finanzielle Beitr\u00e4ge bei den Projektkantonen, der SIGS (Schildkr\u00f6teninteressengemeinschaft Schweiz) und bei Stiftungen zu gewinnen. Der Verband \u00abZoo Schweiz\u00bb hat uns ebenfalls grossz\u00fcgig unterst\u00fctzt. Jeder Beitrag ist hoch willkommen. Dennoch ist weiterhin das Engagement von begeisterten Schildkr\u00f6tenfreunden n\u00f6tig, um diesem Projekt der Wiederansiedlung der einzigen einheimischen Schweizer Schildkr\u00f6te zum Erfolg zu verhelfen. <\/p>\n<p>Wie alle Reptilien ist die Europ\u00e4ische Sumpfschildkr\u00f6te (Emys orbicularis) in der Schweiz gesch\u00fctzt und das Fangen und Aussetzen ist verboten. Dennoch gibt es immer wieder illegale Aussetzungen von Sumpfschildkr\u00f6ten aus unterschiedlichen Herkunftsgebieten. Diese sind nicht an unser Klima angepasst und k\u00f6nnen die offiziellen Projekte gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.swissemys.ch\">www.swissemys.ch<\/a><br \/>\nHans Peter Schaffner (Pr\u00e4sident)<br \/>\nMarkus Kutzli (Kassier)<br \/>\nRuth Huber<br \/>\nEllie Grimbichler<br \/>\nWalter Schaffner<br \/>\nHanspeter Gemperle<br \/>\nRoger Dietsche<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/igt-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/P1040275.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/igt-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/P1040275-300x225.jpg\" alt=\"P1040275\" width=\"330\" height=\"248\" class=\"alignleft size-medium wp-image-601\" srcset=\"https:\/\/igt-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/P1040275-300x225.jpg 300w, https:\/\/igt-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/P1040275-768x576.jpg 768w, https:\/\/igt-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/P1040275-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 330px) 100vw, 330px\" \/><\/a> <a 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